Das Projekt

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Zwei Bündner Tausendsassa aus der Theater- und Medienwelt spannten für „Fitness – the Art of Being the Best“ zusammen: Jürg Gautschi (Journalist, Filmemacher, Performer, Geschichtenschreiber, Musiker) und Magdalena Nadolska (Regisseurin, Autorin, Dramaturgin, Radioprojektleiterin) kreierten gemeinsam einen Theaterabend, der thematisch um Fitnesswahn und Selbstoptimierung kreist. Denn fit sein müssen wir heute alle – ob körperlich oder sexuell, in der Arbeitswelt oder im Portemonnaie, beim IQ oder ganz allgemein im Konkurrenzkampf, das sich Leben nennt.

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Der Stücktext basiert auf diversen Kurzgeschichten, die Jürg Gautschi für die RTR-Morgengeschichten verfasste. Zunächst fanden die Texte als Lesung an den Dis da litteratura (2017) ihren Weg auf die Bühne. In einem nächsten Schritt ging es darum, die Texte auf Deutsch zu übersetzen, einen theatralen Bogen zu spannen und sie dramaturgisch schlüssig und szenisch umzusetzen.

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Die Inszenierung, die als Koproduktion von der Klibühni Chur und sfraxs produktionen entstand, spielt auf zwei Ebenen: Die inhaltliche Ebene suggeriert drei unterschiedliche Geschichtenstränge, die sich der Fitness in unterschiedlichen Facetten widmen. Auf der darstellerischen/performativen Ebene wurde für die Geschichten ein offenes Setting aus Text, Klang, Bewegung und Licht eingerichtet, ein surreal-undefinierter Raum, der mal Fitnesscenter, mal Zugabteil oder Café sein kann. Durch die Unkonkretheit lässt das Setting Raum für Phantasie und Assoziationen des Publikums: Spielt sich die Geschichte am Schluss vielleicht nur im Kopf des Protagonisten ab? Sind es drei Figuren oder nur eine? Ist es Fiktion oder Realität?

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Der gesellschaftliche Kontext

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Egal ob im Job, im Sport, beim Essen und Trinken, bei der Kindererziehung oder sogar in der Liebe: wir leben in einer Welt, in der es darum geht, aus tausend Wahlmöglichkeiten die beste herauszufiltern. Von klein auf werden wir darauf getrimmt, an uns zu arbeiten, an die Grenzen zu stossen – denn gut ist ja nie gut genug! Stets noch besser, effizienter und authentischer zu werden, das ist in Zeiten von facebook, Fitnesswahn und lebenslangem Lernen zum Massenphänomen geworden. Das Selbst wurde zum wichtigsten Statussymbol, der Einzelne bezahlt dafür oft einen hohen Preis. Die unbarmherzige Steigerungslogik hat nicht nur fatale psychische, sondern auch verheerende soziale Folgen. Sie ist ein täglicher Zwang, so wie der Griff zum Smartphone – man programmiert seinen persönlichen Erfolgsalgorithmus, und zwar pausenlos. 

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Im Prinzip gibt es ja an der Weiterentwicklung generell und am persönlichen Wachstum nichts auszusetzen! Es ist toll, ein besserer Liebhaber, eine klügere Geschäftsfrau zu werden! Das Problem liegt jedoch tiefer: im eingeschränkten Blick auf die Welt, dem Tunnelblick sozusagen der sich mit der Selbstoptimierung verbindet. Denn immer öfter wird Joggen zur sozialen Challenge, Achtsamkeit zum Event und die Städtereise zum Instagram-Motiv. Der Alltag wird instrumentalisiert, um Erfahrungen zu machen, die sich auf dem Markt der Selbstverwirklichung in barer sozialer Münze, in Likes und Follower*innen, auszahlen. 

Daneben boomt die implantierte Technik wie in die Haut eingepflanzte Mikrochips oder Magnete. Dank ihnen soll der Mensch robuster, leistungsfähiger werden und ist damit auf dem besten Wege zum Cyborg – zur Kombination aus Mensch und Maschine. Die so genannte Biohacking-Szene wächst zurzeit rasant. Auch das hängt damit zusammen, dass wir in einer Gesellschaft leben, die sich zunehmend selbst optimiert. Der mit Sensoren vermessene Schlaf, die mit Uhren aufgezeichnete Bewegung und die mit Nahrungsergänzungsmitteln aufgepeppte Hirnleistung gehören bei vielen schon zum Alltag wie Zähneputzen. Und die technischen Möglichkeiten gehen immer weiter. Die Liste der Dinge, die der Mensch besser kann als ein Computer wird immer kürzer. Schon in den 2030-Jahren soll es Hybridwesen zwischen Mensch und Maschine geben. Mini-Roboter, sogenannte Nanobots, sollen in unseren Blutbahnen schwimmen und Bakterien sowie Viren bekämpfen; unser Gehirn soll keine Offline-Oase bleiben: Einmal eingepflanzt, könnten Mikrochips direkten Zugang auf unseren Verstand haben und Gedanken in eine Cloud laden. Doch wird es einem nicht etwas unheimlich bei solchen Zukunftsszenarien? Was bedeutet es, wenn Implantate im Gehirn zum Beispiel künstliche Erinnerungen erzeugen können? Das Manipulationsrisiko wird enorm...

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Argumente für den technischen Fortschritt und Sci-Fi-Szenarien liegen in der Fragilität des menschlichen Körpers – man muss ihn für die Zukunft mithilfe der Technik robuster machen, sonst steht das Überleben der Menschheit auf dem Spiel. Schliesslich wird es wegen der Klimaerwärmung ziemlich ungemütlich werden auf unserem Planeten. Auch bei allfälligen Reisen ins All sind Cyborgs den Aufforderungen besser gewachsen. Kein Wunder sehnen sich immer mehr Utopisten nach Unsterblichkeit. Sie tun viel dafür, um möglichst lange gesund leben zu können. Um neun Uhr abends ins Bett gehen, um vier Uhr aufstehen, Sport treiben, Gewichte stemmen, klettern, sich vegan ernähren, Gesundheitsshakes mixen. Ein anstrengendes Leben, das ein bisschen nach Selbstoptimierungszwang klingt... Und die Zwillingsschwester der Selbstoptimierung ist leider die Vereinzelung, die eine totale Verödung zur Folge haben kann.

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Quellen: „Das bessere Ich“, Thomas Jordan, Süddeutsche Zeitung (28./29. Juli 2018)

„Der gechippte Supermensch“, Andreas Bättig, Migros Magazin (26. November 2018)

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